Sprungziele
Aktuelles

Stadtverwaltung Bad Bramstedt

Bleeck 17-19
24576 Bad Bramstedt

04192-506-0
04192-506-60
zentrale@bad-bramstedt.de

Mo, Di, Fr
08 - 12 Uhr
Do
08 - 12 Uhr und
14 - 18 Uhr
sowie außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung.
language

Stadtplan
Seiteninhalt

Innenentwicklung schafft Lebensqualität

 
Etwa ein Drittel der menschlichen Lebenszeit muss bereits fürs Schlafen aufgewendet werden. Vor diesem Hintergrund ist jede rote Ampelphase eigentlich eine zu viel. Und jeder Verkehrstau und jeder Weg, der wegen seiner Länge nur per Auto zurückgelegt werden kann, sind es ebenfalls. Zeit gehört zu den größten Kostbarkeiten im Leben – man kann eigentlich nicht genug davon haben, um sie mit Familie und Freunden zu verbringen. Oder um allein auszuspannen. Oder um Interessantes zu erleben – kurz: um Lebensqualität zu genießen. Umso ärgerlicher ist es, wenn dieser Schatz für das bloße Zurücklegen von Strecken ausgegeben wird – Tag für Tag und Jahr für Jahr. An Stelle dieser Zeitverschwendung die Freiheit zu bekommen, Zeit für die wichtigen Dinge im Leben einzusetzen - das ist ein entscheidendes Argument für die Innenentwicklung von Städten und Gemeinden.

Denn neue Baugebiete in der Peripherie von Kommunen führen zwangsläufig zu höherem Zeitaufwand für deren Bewohner. Mag vielleicht ein Kindergarten noch in der Nähe gebaut worden und fußläufig zu erreichen sein, so wird das bei Grund- und spätestens weiterführenden Schulen schon unsicherer, weil sie historisch eher in den Innenstädten platziert sind. Wegen der demografischen Entwicklung ist es zudem kaum wahrscheinlich, dass in äußeren Quartieren zusätzlich neue Schulen gebaut werden.

Dem Infrastruktur-Element „Schule" lassen sich fast beliebig viele weitere hinzufügen. Die Probleme verstärken sich noch wenn Neubau-Gebiete so klein ausfallen, dass es für Nahversorger nicht lohnenswert erscheint, sich ebenfalls dort anzusiedeln. Es muss für Handelsunternehmen erst eine „kritische Masse" an potenziellen Neu-Kunden erreicht werden, damit sie das wirtschaftliche Risiko eingehen, eine neue Filiale zu eröffnen. Anderenfalls versorgen die bestehenden Geschäfte das neue Wohngebiet schlichtweg mit.

Für die Neu-Bauer ist das automatisch mit längeren Wegen verbunden – und mit einer Einbuße an Lebensqualität. Wer mag zum Brötchenholen erst das Auto aus der Garage fahren müssen? Angenehmer ist es da doch, beim Bäcker „um die Ecke" einkaufen zu können oder beim Gemüse-Mann oder im Lebensmittelgeschäft nebenan. Nicht nur Neubaugebiete am Rande der Städte, sondern auch viele kleine Kommunen im ländlichen Raum sind von der Problematik dieser „kritischen Masse" betroffen – der bundesweite Rückzug der Post „aus der Fläche", der bis 2011 für insgesamt 700 der ehemals 800 eigenen Filialen das Ende bedeutet, ist nur Indiz dafür.

In den Familien sind es die Frauen, die am stärksten von der ausgedünnten Infrastruktur fernab der Zentren belastet sind. Denn nach der traditionellen Rollenaufteilung ist der Mann und Familienvater fürs finanzielle Einkommen zuständig. Im besten Fall ärgert er sich nur zweimal pro Tag über lange Wege und rote Ampeln – nämlich beim Pendeln zur Arbeitsstelle und zurück. Für Frauen beziehungsweise Mütter ist das weitaus anstrengender. Zusätzlich zu den Einkaufsfahrten stehen womöglich Touren zu Babytreff und Kinderarzt, zu Musikschule, Schwimmbad, Sportverein auf der Tagesagenda. Das relativiert sich zwar, sobald Kinder größer und unabhängiger werden und schließlich als Erwachsene ihre eigenen Wege gehen. Dann öffnet sich für die familiär nicht mehr so stark geforderten Frauen ein Zeitfenster, in dem das Leben „fernab" genossen werden kann – bis es sich wieder schließt, weil im Alter erneut mehr Angebote „aus dem Zentrum" benötigt werden. Zusätzliche Probleme ergeben sich für Frauen, deren Lebensentwurf sich nicht auf die Rolle „Hausfrau und Mutter" beschränkt. Wer nicht allein Mutter sein mag, sondern überdies noch einen Beruf ausüben will, ist in ländlichen Räumen unter anderem durch den Mangel an Teilzeitarbeitsplätzen eingeschränkt.

Mag schon der klassische Kleinfamilien-Lebensstil im Eigenheim am Rande der Großstadt seine Tücken haben, so verschärft sich die Lage noch, sobald die immer häufiger anzutreffenden Lebensformen wie Patchwork-Familien und Allein-Erzieher-Haushalte ins Spiel kommen. Der Diplom-Soziologe Marcus Menzl von der TU Hamburg-Harburg hat sich des Themas angenommen. Fundierte Untersuchungen hat er in seinem Buch „Leben in Suburbia. Raumstrukturen am Rand von Hamburg" (ISBN 978-3-593-38538-9) zusammengestellt.

Das durch Innenentwicklung ermöglichte Leben und Wohnen in Nähe der Zentren bildet ein Kontrastprogramm: bummeln durch Einkaufsstraßen, nur ein Katzensprung zu Sport- und Fitness-Angeboten, dazu mal eben kurz auf einen Espresso ins Cafe, ein Schwätzchen auf dem Bürgersteig – dieses urbane Leben mit seinen sozialen Kontakten, die Nähe zum Nächsten, die man während des Urlaubs im Süden so sehr genießt, ist in unseren Einfamilienhaus-Siedlungen am Rande oftmals verloren gegangen. Ein lebendiger Ortskern, der von den eigenen vier Wänden aus rasch zu erreichen ist, bringt dieses Flair zurück und den Bürgern Spaß und Lebensqualität. Zudem wirkt er positiv nach außen – als weicher Standortfaktor für Unternehmen, als Attraktion für Gäste und Touristen.

Mit wachsendem Alter der Menschen wächst dabei ihre Wertschätzung für kurze Wege. Ob Seniorentagesstätte, Facharzt, Krankenhaus oder Erreichbarkeit durch einen Pflegedienst – hier wirken geringe Distanzen nicht allein gegen Vereinsamung und sorgen für mehr Qualität des Lebens, sondern vielleicht können sie sich sogar einmal als lebensrettend erweisen.

Hinzu kommt der finanzielle Aspekt. Befinden sich die wichtigen Stationen des Lebensumfeldes in der Nähe, lässt sich das zweite Auto sparen – und falls der ÖPNV gut ausgebaut ist, eventuell sogar das erste. Das durch den Verzicht auf ein Kfz gewonnene Geld macht mindestens einen schönen Urlaub aus – und zwar pro Jahr. Präzisere Abschätzungen lassen sich mit dem Wohn- und Mobilitätskostenrechner unter www.womo-rechner.de treffen.

Mehr und mehr Bedeutung gewinnt darüber hinaus der Punkt „Umweltfreundlichkeit / Nachhaltigkeit". Im Rahmen der Klima-Debatte spielt der Ansatz der Verkehrsvermeidung eine wichtige Rolle. Außerdem werden durch die Innenentwicklung von Städten unbebaute Flächen geschont – Natur-Areale, deren Nutzung künftigen Generationen überlassen bleibt. Das Wohnen „mittendrin" steigert deshalb nicht nur die eigene Lebensqualität, sondern auch die der Kinder und Enkel.


Kurzfilm „Stadt-Land-Frau"
Kurze Wege = Lebensqualität
Plakativ und zugespitzt legt der Kurzfilm „Stadt–Land–Frau" den Finger genau auf diesen Zusammenhang. Der Alltag von zwei Frauen wird exemplarisch gegenübergestellt – während die ein noch am Frühstückstisch sitzt, befindet sich die andere Bereits im Auto. mehr>>

Unterkünfte suchen und buchen

An-/Abreise
Reisende